Arbeitskreis Baukultur

Der Arbeitskreis BAUKULTUR ist ein Zusammenschluss von bislang dreizehn Architektinnen und Architekten aus Bergisch Gladbach. Er möchte seine fachliche Kompetenz vor allem dazu nutzen, Planungsprozesse und Baukultur im öffentlichen wie privaten Bereich für die Bürgerinnen und Bürger transparenter zu machen. Er versteht sich aber auch als ein Gremium, das im engen Austausch mit Politik und Verwaltung gute Architektur fördern und fordern will.

Das schließt natürlich ein, dass sachbezogene Kritik nicht unausgesprochen bleiben kann und eine kontroverse Diskussion der Inhalte durchaus erwünscht ist. Dies soll dazu beitragen, eine stärkere Sensibilität der Öffentlichkeit für die Qualität unserer Häuser, Straßen, Plätze, Brücken und Parks zu erzeugen.

Baukultur ist nicht eindimensional als ästhetische Angelegenheit zu verstehen, sondern als Ausbalancieren und Integrieren vieler Aspekte – neben der Architektur auch des Ingenieurwesens, der Landschaftsplanung, des Städtebaus, des Denkmalschutzes sowie von Kunst am Bau und im öffentlichen Raum. Der Vermittlung dieser wichtigen, aber auch sehr komplexen Inhalte sieht sich der Arbeitskreis verpflichtet – zum Gewinn für unsere gesamte Stadt!

Offener Brief des

Arbeitskreis BAUKULTUR im Galerie+Schloss e.V.

 

Eine Stadt ist die Summe aller Aktivitäten ihrer Bürger. Eine Stadt ist ein Prozess zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und eine Übereinkunft über das Bewahren und das Weiterentwickeln.

 

Eine Stadtentwicklung braucht gute Ideen, Mut, Ausdauer, engagierten Bürgersinn und Investoren. Investoren wollen Geld verdienen. Das ist in Ordnung, aber die Interessen der Investoren müssen mit den Interessen der Allgemeinheit abgeglichen werden. Unsere Stadt braucht aber auch wieder Bauherren die eine qualitäts- und maßstabgerechte Architektur für ihre Stadt einfordern. Rat und Verwaltung müssen diese verloren gegangene 'Rolle' wieder übernehmen.

 

Zwei Beispiele derzeitiger Stadtentwicklung sollen hier besonders angesprochen werden:

 

Seit einiger Zeit taucht immer wieder ein Bild in der Öffentlichkeit auf, das die Überbauung der Steinstraße in Bensberg durch einen Erweiterungsbau des Kinos in der Schlossstraße vorsieht.

Diese Straßenüberbauung ist nach unserer Einschätzung äußerst problematisch und negiert völlig die vorhandene städtebauliche Struktur der Stadt. Die unterhalb der Überbauung liegende Schule wird massiv bedroht. Der für das Kino notwendige Baukörper ist wegen seiner Größe und Lage kaum angemessen in das Straßenbild zu integrieren. Es entsteht ein völlig neues städtebauliches Motiv, das bisher an keiner Stelle der Steinstraße vorhanden ist und in Zukunft auch nicht zu erwarten sein wird.

Das Interesse des Kinobetreibers kann in dieser Angelegenheit allein nicht entscheidend sein. Welche negativen Auswirkungen eine Straßenüberbauung haben kann, lässt sich sehr gut in Köln am WDR-Gebäudekomplex studieren. Die Flächen unter der Überbauung sind für den urbanen Erlebnisraum verloren.

Wünschenswert wäre vielmehr, entlang der Steinstraße eine zweigeschossige, den Straßenraum begrenzende grüne Stadtmauer mit Parkdecks für die Besucher der Schlossstraße zu schaffen und dem Kinobetreiber ein attraktives anderes Gelände anzubieten, das genügend Erweiterungsmöglichkeiten, Parkplätze und eine gute städtebauliche Einbindung bietet. Denkbar wäre z.B. das Löwen-Center, das beste Möglichkeiten für ein komplexes Kino bietet.

 

Ein weiteres Beispiel ist das geplante Hotel am Schwimmbad „Mediterana“ am Saaler Mühle-See. Wirtschaftliche Überlegungen  des Schwimmbadbetreibers spielen bei der Standortwahl eine Hauptrolle. Das ist aus Sicht des Betreibers selbstverständlich auch richtig.

Aber nach den Erfahrungen in den letzten Jahren, die die Bürger mit Bauten in sensiblen Bereichen gemacht haben - es sei erinnert an die „Anlieferung“ der Rhein-Berg-Galerie am Driescher Kreuz, der geschlossenen Fassade desselben Gebäudes zur Fußgängerzone, der Plakatierungs-Fassade der Rhein-Berg-Passage als Empfangsgeste für S-Bahn-Reisende - muss bezweifelt werden, ob eine hinreichende Güterabwägung zwischen den öffentlichen Interessen der Besucher des Naherholungsgebietes und den Ansprüchen des Investors in jedem Falle stattgefunden hat. Es ist zu befürchten, dass bisherige Planungsfehler am Mediterana, wie die, die Restaurant- bzw. Küchenanlieferung und die Müllentsorgung direkt am Seeufer zu platzieren nicht beseitigt, sondern noch weiter ausgebaut werden.

Wenn dieser Hotelbau nicht mehr zu verhindern ist, wünschen wir uns eine Architektur, die auf zeitgenössische Art zeigt, wie ein Ort der Entspannung interpretiert werden und folglich aussehen kann und keine Collage aus beliebig zusammen gewürfelten fernöstlichen Stilelementen des vergangenen Jahrtausends.

 

Sollte jedoch der historisierende „orientalische“ Fassadenstil beim Hotel-Neubau angewendet werden, ist dringend darauf zu achten, dass das abschirmende Grün entlang der Grenze zwischen privater und öffentlicher Grünfläche entlang des Seeufers erhalten bleibt. Dem optischen Schutz der Spaziergänger vor einer Architektur à la Phantasialand ist ein höherer Stellenwert zuzumessen als dem beabsichtigten freien Seeblick einiger Hotelgäste.

 

Wir möchten dazu anregen, den seit einiger Zeit eingeschlagenen Weg der ungehemmten Vermarktung öffentlicher Bereiche zu Gunsten der Interessen einzelner Investoren zu verlassen und statt dessen nachvollziehbare, die Bedingungen aller Beteiligten berücksichtigende Entscheidungen zu treffen.

Das Ziel muss sein, ein lohnendes Investment mit einer städtebaulich hoch stehenden Qualität zu verknüpfen - zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger und einer zukunftsträchtigen Stadtentwicklung.